Mauser bei Hühnern: Fütterung, Dauer und typische Fehler

|Maria Leiskau
Mauser bei Hühnern: Fütterung, Dauer und typische Fehler

Mauser bei Hühnern: Was sie jetzt wirklich brauchen und welche Fehler du vermeiden solltest

Irgendwann im Spätsommer oder Herbst beginnt bei uns jedes Jahr dieselbe Veranstaltung. Ich gehe morgens in den Stall und habe kurz das Gefühl, irgendein Huhn müsse über Nacht explodiert sein, weil plötzlich überall Federn liegen. Auf dem Kotbrett, in den Nestern, im Auslauf und natürlich an sämtlichen Stellen, an denen man sie beim Saubermachen besonders schlecht erwischt.

Die Hühner selbst sehen teilweise auch nicht unbedingt so aus, als hätten sie gerade ihre beste Phase. Einige verlieren nur hier und da ein paar Federn und kommen optisch ziemlich elegant durch die Sache, während andere innerhalb kurzer Zeit so zerzaust aussehen, dass man sie beim ersten Blick fast bedauern möchte.

In den meisten Fällen ist das völlig normal, denn die Mauser gehört zum natürlichen Jahresrhythmus eines erwachsenen Huhns. Alte und abgenutzte Federn werden abgestoßen und durch neue ersetzt, wobei die Eierproduktion während dieser Zeit häufig stark zurückgeht oder vorübergehend ganz aufhört. Bei Hennen unter natürlichem Tageslicht hängt die jährliche Mauser eng mit den kürzer werdenden Tagen und der saisonalen Legepause zusammen.

Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen, denn nicht jeder Federverlust ist automatisch eine Mauser und nicht jede Zusatzfütterung, die im Internet unter Mauserfutter empfohlen wird, ergibt tatsächlich Sinn.

Warum Hühner überhaupt mausern

Federn halten nicht ewig. Sie werden durch Sonne, Schmutz, Bewegung, gegenseitiges Putzen und den ganz normalen Alltag zunehmend abgenutzt und müssen deshalb regelmäßig erneuert werden.

Bei ausgewachsenen Legehennen findet normalerweise mindestens einmal jährlich eine Mauser statt, wobei Zeitpunkt und Geschwindigkeit von Tier zu Tier unterschiedlich sein können. Manche Hennen werfen innerhalb relativ kurzer Zeit sehr viele Federn ab und sehen dadurch vorübergehend ziemlich mitgenommen aus, während andere ihre Federn langsamer wechseln und über Monate nur etwas zerzaust wirken. Mississippi State University beschreibt für Legehennen tatsächlich große Unterschiede: Eine schnelle Mauser kann innerhalb von ungefähr zwei bis drei Monaten ablaufen, während langsam mausernde Tiere deutlich länger brauchen können.

Auch die Reihenfolge des Federwechsels folgt häufig einem gewissen Muster. Typischerweise beginnt der Verlust am Kopf und Hals und setzt sich anschließend über Brust, Körper, Flügel und Schwanz fort. Das muss bei deinem Huhn nicht aussehen wie eine perfekte biologische Checkliste, aber es hilft bei der Einordnung, wenn plötzlich zuerst Hals und Kopf etwas merkwürdig aussehen und später andere Körperbereiche folgen.

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Warum während der Mauser plötzlich kaum noch Eier kommen

Dass ein Huhn während der Mauser weniger legt, ist keine Laune und auch kein Zeichen dafür, dass man unbedingt sofort irgendetwas zufüttern muss.

Die Neubildung eines kompletten Federkleides braucht Nährstoffe, und gleichzeitig wird die Fortpflanzungsaktivität durch die kürzer werdenden Tage heruntergefahren. Viele Hennen reduzieren ihre Legeleistung deshalb deutlich oder hören während der Mauser zeitweise vollständig mit dem Legen auf. Nach Abschluss der Mauser kann die Eierproduktion wieder beginnen, wobei Alter, Rasse, Jahreszeit und individuelle Veranlagung natürlich weiterhin eine Rolle spielen.

Ich persönlich würde diese natürliche Pause nicht mit aller Gewalt verhindern wollen. Man liest immer wieder den Tipp, im Herbst einfach zusätzliches Licht in den Stall zu hängen, damit die Eierproduktion möglichst unverändert weitergeht. Das kann die Fortpflanzungsaktivität beeinflussen, greift aber eben bewusst in den natürlichen jahreszeitlichen Rhythmus ein. Unter natürlicher Tageslänge sind sinkende Legeleistung und Mauser im Herbst zunächst einmal vollkommen normale Vorgänge.

Wenn ich im September oder Oktober weniger Eier im Nest finde und gleichzeitig überall Federn herumliegen, ist meine erste Reaktion deshalb nicht, die Damen zu einem Krisengespräch einzuladen.

Sie bauen gerade ihr komplettes Federkleid neu.

Da darf die Frühstücksversorgung ruhig einmal etwas nachrangig sein.

Federn bestehen aus Protein, aber Protein allein erzählt nur die halbe Geschichte

Wenn es um Mauserfütterung geht, fällt fast sofort das Wort Protein.

Das ist grundsätzlich auch nachvollziehbar, denn Federn bestehen überwiegend aus dem Protein Keratin. Für ihre Bildung braucht das Huhn deshalb ausreichend Protein und vor allem die richtigen Aminosäuren. Besonders die schwefelhaltige Aminosäure Methionin spielt für die Federbildung eine wichtige Rolle. Mississippi State University nennt einen Mangel an kritischen Aminosäuren, insbesondere Methionin, ausdrücklich als häufige Ursache für schlechte Federentwicklung.

Hier entsteht allerdings schnell der nächste Denkfehler: Wenn Protein wichtig ist, muss besonders viel Protein automatisch besonders gut sein.

So funktioniert Tierernährung nicht.

Eine Henne braucht während der Mauser keine möglichst spektakuläre Sammlung proteinreicher Extras, sondern eine insgesamt ausgewogene Versorgung mit Energie, Protein, essenziellen Aminosäuren, Mineralstoffen und Vitaminen. Eine ausgewogene Geflügelration ist genau deshalb so formuliert, dass diese Nährstoffe in einem sinnvollen Verhältnis zueinander vorhanden sind. Die University of Minnesota empfiehlt für Hühner grundsätzlich ein entsprechend ausgewogenes Futter mit passender Versorgung an Protein, Vitaminen und Mineralstoffen.

Wenn ein großer Teil der täglichen Futtermenge dagegen aus Mais, Brot, Küchenresten, Sonnenblumenkernen und irgendwelchen anderen beliebten Leckereien besteht, kann das ausgewogene Grundfutter verdrängt werden.

Dann hat man zwar einen ausgesprochen abwechslungsreichen Napf, aber nicht zwingend eine besonders ausgewogene Ernährung.

Das ist ein Unterschied.

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Muss ich während der Mauser den Proteingehalt erhöhen?

Hier würde ich nicht mit einer pauschalen Zahl arbeiten, die für jedes Huhn und jede Fütterung gelten soll.

Wenn deine Hühner ein vernünftig zusammengesetztes Alleinfutter bekommen und insgesamt gut versorgt sind, muss während jeder Mauser nicht zwangsläufig die komplette Fütterung auf den Kopf gestellt werden. Entscheidend ist vor allem, dass die Tiere ausreichend fressen und die Ration genügend hochwertige Aminosäuren für die Federneubildung liefert. Ein Mangel an Methionin oder anderen essenziellen Aminosäuren kann die Federentwicklung beeinträchtigen.

Ich achte während der Mauser deshalb stärker auf die Qualität der Gesamtration, statt einfach wahllos Eiweiß oben drauf zu kippen.

Natürlich können geeignete proteinreiche Futtermittel eine Ration ergänzen, aber die Menge und Zusammensetzung müssen weiterhin zum restlichen Futter passen. Ein Huhn ausschließlich mit energiereichen Leckereien und Proteinbomben durch die Mauser bringen zu wollen, ist ungefähr so sinnvoll, wie sich selbst für einen Marathon ausschließlich von Proteinriegeln zu ernähren.

Der Körper braucht ein bisschen mehr als eine beeindruckende Zahl auf der Verpackung.

Und was ist mit Calcium?

Calcium wird in der Hühnerhaltung so häufig erwähnt, dass man fast das Gefühl bekommt, jede Hühnerfrage ließe sich am Ende mit einer Schüssel Muschelgrit beantworten.

Bei einer legenden Henne ist Calcium tatsächlich besonders wichtig für die Bildung der Eierschale. Während einer ausgeprägten Mauser sinkt die Eierproduktion allerdings häufig stark oder setzt vollständig aus. Das bedeutet nicht, dass Calcium plötzlich bedeutungslos wäre, aber es ist eben nicht der zentrale Baustoff für neue Federn. Für die Federbildung sind vor allem Proteine und die dazugehörigen Aminosäuren entscheidend.

Ich würde deshalb nicht anfangen, während der Mauser wahllos zusätzliche große Mengen Calcium in sämtliche Futtermischungen einzubauen, nur weil das Huhn gerade schlecht aussieht.

Eine ausgewogene Mineralstoffversorgung bleibt wichtig, aber mehr ist auch hier nicht automatisch besser.

Diese merkwürdigen Stacheln sind neue Federn

Während der Mauser sieht man auf der Haut irgendwann kleine feste Federkiele, die fast wie Stacheln aussehen. Das sind neu wachsende Federn, häufig als Pin Feathers beziehungsweise Blutkiele bezeichnet.

Während eine neue Feder wächst, wird sie zunächst über Blutgefäße versorgt und steckt in einer schützenden Keratinhülle. Erst mit zunehmender Reife zieht sich diese Blutversorgung zurück und die Hülle wird nach und nach entfernt. Frisch wachsende Federn können deshalb empfindlich sein und bei Beschädigung auch bluten.

Das ist einer der Gründe, warum ich ein stark mauserndes Huhn nicht unnötig ständig hochheben und durchknuddeln würde, auch wenn es gerade besonders bemitleidenswert aussieht.

Gerade wenn am Körper viele neue Federkiele gleichzeitig wachsen, kann Berührung unangenehm sein. Wenn ich ein Tier untersuchen muss, mache ich das natürlich trotzdem, aber ich greife nicht jeden zweiten Tag aus reiner Neugier ins neue Federkleid.

Das Huhn sieht schon schlimm genug aus.

Es braucht nicht auch noch mich als persönliche Wellnessbehandlung, nach der ihm sämtliche neuen Federn wehtun.

Bitte keine neuen Federkiele herausziehen

Wenn neue Federn schief aussehen oder eine Hülle noch fest daran sitzt, würde ich nicht daran herumziehen.

Ein wachsender Federkiel besitzt eine Blutversorgung. Wird er verletzt oder abgebrochen, kann es zu einer stärkeren Blutung kommen. Bei Vögeln können beschädigte Blutkiele durchaus relevant bluten, weshalb eine anhaltende Blutung tierärztlich beurteilt werden sollte.

Wenn eine neue Feder einfach etwas merkwürdig aussieht, lasse ich sie deshalb zunächst in Ruhe.

Das Huhn kann die Keratinhülle bei der Gefiederpflege nach und nach selbst bearbeiten, sobald die Feder entsprechend gereift ist.

Nicht alles, was am Huhn komisch aussieht, braucht sofort menschliche Feinmechanik.

Ruhe ist während der Mauser tatsächlich sinnvoll

Mauser ist körperlich anstrengend, und deshalb würde ich in dieser Zeit unnötigen zusätzlichen Stress möglichst vermeiden.

Wenn ohnehin gerade ein großer Teil der Gruppe stark mausert, wäre das für mich beispielsweise nicht unbedingt der perfekte Moment, um gleichzeitig den gesamten Stall umzubauen, mehrere fremde Hühner in die Gruppe zu setzen und die Rangordnung komplett neu zu sortieren.

Natürlich kann man nicht jede Veränderung vermeiden, und ein gesundes Huhn ist kein zerbrechliches Porzellantier. Trotzdem braucht man einem Körper, der gerade massenhaft neue Federn produziert, nicht unbedingt noch fünf zusätzliche Baustellen zu geben.

Wichtig bleiben außerdem jederzeit sauberes Wasser und eine verlässliche Futterversorgung. Ein ausgewogenes Futter ist die Grundlage einer guten Gefiederentwicklung und allgemeinen Gesundheit.

Mauser oder Parasiten? Hier würde ich genauer hinschauen

Jetzt kommen wir zum wichtigen Teil, denn kahle Stellen bedeuten nicht automatisch Mauser.

Bei einer normalen Mauser sehe ich typischerweise alte Federn im Stall und gleichzeitig neue Federkiele, die aus der Haut wachsen. Der Federverlust entwickelt sich in einem nachvollziehbaren Verlauf und das Huhn wirkt ansonsten meist relativ normal, auch wenn es zeitweise etwas ruhiger sein kann.

Parasiten können dagegen ebenfalls Federverlust und Hautreizungen verursachen. Bei Geflügel können unter anderem Milben und Läuse beziehungsweise Federlinge zu beschädigtem Gefieder, Irritationen und Federverlust führen. Bei einer Untersuchung sollte deshalb auch die Basis der Federschäfte kontrolliert werden, insbesondere auf Milben, Läuse und deren Eier.

Besonders bei der roten Vogelmilbe reicht die Kontrolle am Huhn tagsüber allerdings nicht aus, weil sich diese Parasiten überwiegend im Stall verstecken und nachts Blut saugen. Wenn zusätzlich Blässe, nächtliche Unruhe oder andere Auffälligkeiten auftreten, kontrolliere ich deshalb auch Sitzstangen, Legenester und Ritzen im Stall.

Ein Huhn, das Federn verliert, hat also nicht automatisch Milben.

Aber ein Huhn in der Mauser ist auch nicht automatisch von Parasiten freigesprochen.

Beides kann theoretisch gleichzeitig auftreten.

 

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Auch Federpicken kann kahle Stellen verursachen, wobei das Muster häufig anders aussieht.

Wenn andere Hühner Federn herausziehen, können einzelne Körperbereiche besonders stark betroffen sein. Manchmal sieht man abgebrochene Federn, gereizte Haut oder sogar kleine Verletzungen, während andere Stellen völlig normal befiedert bleiben.

Bei Hühnern können Managementprobleme, Stress, hohe Besatzdichte oder unausgewogene Ernährung zur Entstehung von Federpicken beitragen.

Ich würde deshalb immer ein paar Minuten beobachten, was innerhalb der Gruppe passiert. Manchmal beantwortet sich die Frage erstaunlich schnell, wenn man sieht, dass eine Henne ihrer Nachbarin regelmäßig mit großer Begeisterung die neuen Federn aus dem Rücken zieht.

Das ist dann keine besonders ungewöhnliche Mauser.

Das ist einfach eine ausgesprochen nervige Mitbewohnerin.

Kahler Rücken und Nacken? Schau auch auf den Hahn

Vor allem wenn Hennen kahle Stellen auf Rücken und Nacken entwickeln, sollte man auch an das Paarungsverhalten eines Hahns denken.

Beim Treten hält sich der Hahn häufig am Gefieder im Nackenbereich fest und steht auf dem Rücken der Henne. Bei häufigem Paaren können dadurch Federn abbrechen oder vollständig fehlen. Das Merck Veterinary Manual nennt Federverlust am hinteren Körperbereich und am Nacken ausdrücklich als möglichen Hinweis auf Paarungsverhalten.

Wenn also hauptsächlich die Lieblingshennen des Hahns oben auf dem Rücken kahl werden, während der Rest ihres Gefieders wunderschön aussieht, würde ich nicht unbedingt zuerst eine mysteriöse Herbstmauser diagnostizieren.

Auch die Verteilung des Federverlustes erzählt etwas.

Man muss sie nur anschauen.

Wann Federverlust nicht mehr nach normaler Mauser aussieht

Eine normale Mauser darf spektakulär aussehen, aber das Huhn sollte insgesamt weiterhin einen gesunden Eindruck machen.

Wenn zusätzlich offene Wunden, stark gerötete Haut, massiver Juckreiz, Gewichtsverlust, Durchfall, deutliche Schwäche oder andere Krankheitssymptome auftreten, würde ich genauer hinschauen. Das Merck Veterinary Manual weist ebenfalls darauf hin, dass ungewöhnlicher Federverlust insbesondere dann abgeklärt werden sollte, wenn Hautverletzungen, Parasiten, schlechte Ernährung oder andere Auffälligkeiten dazukommen.

Auch Federn, die immer wieder ungewöhnlich oder schlecht nachwachsen, können ein Hinweis darauf sein, dass die Ernährung oder Gesundheit des Tieres genauer betrachtet werden sollte. Ein Mangel an essenziellen Aminosäuren kann beispielsweise zu schlechter Federentwicklung führen.

Der Satz Das ist bestimmt nur die Mauser sollte deshalb keine Ausrede dafür sein, ein offensichtlich krankes Huhn wochenlang nicht genauer anzuschauen.

Was ich während der Mauser konkret mache

Eigentlich ist meine Mauserstrategie ziemlich unspektakulär, und genau deshalb funktioniert sie für mich gut.

Ich achte darauf, dass meine Tiere eine ausgewogene Fütterung bekommen und genügend hochwertiges Protein beziehungsweise die notwendigen Aminosäuren zur Verfügung haben, ohne gleichzeitig jeden Tag eine neue Wunderzutat in die Schüssel zu werfen. Sauberes Wasser muss selbstverständlich jederzeit vorhanden sein.

Ich kontrolliere außerdem regelmäßig Haut und Gefieder, weil der Herbst gleichzeitig eine Zeit ist, in der Parasiten nicht einfach ignoriert werden sollten. Bei ungewöhnlichen kahlen Stellen schaue ich mir genau an, wo die Federn fehlen, ob neue Kiele nachkommen und ob andere Tiere an diesen Stellen picken.

Stark mausernde Tiere fasse ich nicht unnötig an, weil die neu wachsenden Federkiele empfindlich sein können.

Und ich akzeptiere vor allem, dass weniger Eier in dieser Phase vollkommen normal sein können.

Das klingt simpel, verhindert aber, dass man aus einem normalen biologischen Vorgang ein Ernährungsprojekt mit 14 Nahrungsergänzungen und drei neuen Futtermischungen macht.

Die häufigsten Fehler während der Mauser

Einer der größten Fehler ist für mich, jedes mausernde Huhn sofort mit möglichst vielen zusätzlichen Futtermitteln vollzustopfen, ohne überhaupt zu wissen, wie die Grundration zusammengesetzt ist. Wenn ein eigentlich ausgewogenes Futter zunehmend durch Extras verdrängt wird, kann genau das am Ende die Nährstoffversorgung verschlechtern.

Der zweite Fehler besteht darin, einen Federverlust einfach pauschal als Mauser abzuhaken. Wenn die Haut verletzt ist, Parasiten sichtbar sind, ein Hahn massive Schäden verursacht oder andere Hühner Federn herausziehen, löst Abwarten das Problem nicht.

Und der dritte Fehler ist unnötiges Herumfummeln an neuen Federkielen. Die sehen zwar teilweise wirklich merkwürdig aus, sind aber während ihres Wachstums durchblutet und können empfindlich sein.

Manchmal ist die beste Unterstützung tatsächlich weniger spektakulär, als wir gern hätten.

Gutes Futter, Wasser, Ruhe, Kontrolle und Zeit.

Ein Huhn in der Mauser darf ziemlich schlimm aussehen

Das musste ich selbst erst lernen, denn manche Hühner wechseln ihr Gefieder so unspektakulär, dass man kaum etwas bemerkt, während andere für ein paar Wochen aussehen, als müssten sie dringend beim Veterinäramt ihre Federn zurückfordern.

Beides kann normal sein.

Die Geschwindigkeit der Mauser unterscheidet sich zwischen einzelnen Hennen erheblich, und auch der Umfang des gleichzeitig sichtbaren Federverlustes kann stark variieren.

Deshalb schaue ich mittlerweile weniger darauf, ob mein Huhn gerade besonders hübsch aussieht, sondern vielmehr darauf, ob neue Federn nachwachsen und wie es dem Tier insgesamt geht.

Wenn es frisst, trinkt, sich normal bewegt, keine auffälligen Hautveränderungen zeigt und überall neue Federkiele erscheinen, darf es für eine Weile aussehen wie ein schlecht gerupftes Sofakissen.

Das wächst wieder.

Gerade bei Federverlust lohnt es sich, das ganze Huhn anzuschauen

Die Mauser ist ein schönes Beispiel dafür, warum einzelne Symptome bei Hühnern schnell falsch interpretiert werden können.

Federverlust kann völlig normal sein, er kann aber genauso durch Parasiten, Federpicken, Paarungsverhalten oder Ernährungsprobleme entstehen. Schon die Stelle, an der Federn fehlen, der Zustand der Haut und die Frage, ob neue Federkiele nachwachsen, können wichtige Hinweise liefern.

Genau dieses Einordnen ist auch der Grund, warum ich mein Buch Hühnerkrankheiten von A bis Z geschrieben habe. Mir geht es dabei nicht darum, hinter jedem ungewöhnlichen Federchen sofort eine Krankheit zu vermuten, sondern darum, Veränderungen am eigenen Huhn besser beurteilen zu können und zu wissen, wann Beobachten reicht und wann man genauer hinschauen sollte.

Denn wenn Ende September morgens der komplette Stall voller Federn liegt, kann die Erklärung tatsächlich vollkommen unspektakulär sein.

Die Damen ziehen sich einfach für den Winter neu an.

Dass sie dabei aussehen, als hätten sie ihre alte Garderobe mit Gewalt ausgezogen, gehört leider zum Programm.