Kräuter überwintern: Welche draußen bleiben und welche rein müssen

|Maria Leiskau
Kräuter überwintern: Welche draußen bleiben und welche rein müssen

Kräuter richtig überwintern: Welche draußen bleiben dürfen und welche rein müssen

Im Oktober beginnt bei mir jedes Jahr dieselbe kleine Kräutervölkerwanderung. Sobald nachts die ersten niedrigen Temperaturen angekündigt werden, schaue ich plötzlich sämtliche Töpfe mit vollkommen anderen Augen an und überlege, welcher Kandidat einfach draußen stehen bleiben kann und wen ich lieber rechtzeitig irgendwo geschützt unterbringe.

Das Problem dabei ist, dass Kräuter beim Thema Winter gern alle in einen Topf geworfen werden, obwohl sie vollkommen unterschiedliche Ansprüche haben. Minze kann im Frühjahr nach einem ziemlich unspektakulären Winter einfach wieder aus dem Boden kommen, während Basilikum schon bei Temperaturen beleidigt schaut, bei denen ich noch nicht einmal eine Jacke anziehe. Rosmarin wiederum kann durchaus draußen überleben, wenn Sorte und Standort passen, im kleinen Kübel an einer völlig ungeschützten Stelle aber trotzdem erfrieren.

Und dann gibt es noch ein Problem, das meiner Meinung nach viel zu selten erwähnt wird: Manche Kräuter sterben im Winter gar nicht an der Kälte, sondern schlicht daran, dass sie monatelang mit nassen Füßen herumstehen.

Gerade mediterrane Kräuter mögen durchlässige, eher trockene Böden. Ein regnerischer deutscher Winter mit schwerem Boden kann für sie deshalb teilweise schwieriger sein als trockene Kälte.

Die Frage lautet also nicht einfach: Ist dieses Kraut winterhart?

Man muss eigentlich fragen: Wie winterhart ist genau diese Art oder Sorte, steht sie im Beet oder im Topf, wie geschützt ist der Standort und wie nass wird der Boden im Winter?

Erst dann wird aus einer einfachen Tabelle tatsächlich brauchbare Gartenpraxis.

Winterhart bedeutet nicht unzerstörbar

Der Begriff winterhart wird gern so verstanden, als könne man eine Pflanze im Oktober draußen abstellen, sich bis März nicht mehr dafür interessieren und anschließend selbstverständlich eine perfekte Pflanze zurückbekommen.

Ganz so bequem ist es leider nicht.

Selbst winterharte Pflanzen können Probleme bekommen, wenn sie in einem kleinen Topf stehen, wenn der Wurzelballen komplett durchfriert, wenn sie dauerhaft nass stehen oder wenn eisiger Wind auf immergrüne Blätter trifft. Das gilt besonders bei sogenannten Kahlfrösten, also starken Frösten ohne schützende Schneedecke.

Thymian, Salbei, Lavendel und Bergbohnenkraut gelten in milden Wintern als recht zuverlässig winterhart. Auch Rosmarin kann draußen überleben, wenn er geschützt steht und keinem starken Kahlfrost ausgesetzt ist.

Das kleine Wort geschützt macht dabei allerdings ziemlich viel Arbeit.

Eine Pflanze unmittelbar an einer Hauswand steht vollkommen anders als dieselbe Pflanze mitten auf einer offenen Terrasse, wo Wind und Frost von allen Seiten an den Topf kommen.

Warum Kräuter im Topf empfindlicher sind als im Beet

Das wird besonders oft unterschätzt.

Wenn Thymian oder Salbei im Gartenboden wachsen, befindet sich ihr Wurzelsystem in einer großen Bodenmasse, deren Temperatur sich vergleichsweise langsam verändert. Im kleinen Terrakottatopf sieht das völlig anders aus, denn dort kann der komplette Wurzelballen relativ schnell durchfrieren.

Deshalb würde ich selbst bei grundsätzlich winterharten Kräutern unterscheiden, ob sie im Beet oder im Kübel stehen.

Kübel stellt man im Winter besser an eine geschützte Stelle, beispielsweise dicht an eine Hauswand, und bei stärkeren Frösten kann der Topf zusätzlich isoliert werden. Die RHS empfiehlt außerdem, Gefäße möglichst trocken und geschützt aufzustellen, mehrere Töpfe zusammenzurücken und die Wurzelbereiche bei Bedarf mit isolierendem Material zu schützen.

Was ich ebenfalls sinnvoll finde: Töpfe nicht direkt auf einem dauerhaft kalten und nassen Boden stehen lassen, sondern auf kleine Füße oder Holzleisten stellen, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann. Gerade im Winter möchte ich kein Wasser im Topf stehen haben, das anschließend gefriert und gleichzeitig die Wurzeln in einer dauerhaft nassen Umgebung hält. Auch die RHS empfiehlt, Kübel leicht erhöht aufzustellen, damit die Drainage funktioniert.

Der Topf braucht im Winter also manchmal mehr Aufmerksamkeit als die Pflanze selbst.

Rosmarin: Der Kandidat, bei dem es kompliziert wird

Bei Rosmarin bekommt man je nach Gartenratgeber ungefähr drei vollkommen unterschiedliche Aussagen zu hören.

Rosmarin ist winterhart.

Rosmarin ist überhaupt nicht winterhart.

Rosmarin muss zwingend ins Haus.

Die Wahrheit liegt wie so oft etwas unbequemer dazwischen.

Rosmarin kann an einem geschützten Standort durchaus draußen überwintern, allerdings spielen Sorte, Region, Boden und Mikroklima eine große Rolle. Die Bayerische Gartenakademie beschreibt Rosmarin als Pflanze, die an geschützten Standorten überdauern kann, solange starke Kahlfröste vermieden werden.

Im Kübel wäre ich wesentlich vorsichtiger, denn der Wurzelballen ist dort deutlich stärker gefährdet. Wenn ich einen empfindlicheren Rosmarin sicher überwintern möchte, bringe ich ihn lieber an einen hellen und kühlen, möglichst frostfreien Ort.

Und kühl ist hier wirklich entscheidend.

Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt für Rosmarin als Kübelpflanze eine helle Überwinterung bei ungefähr 5 bis 10 Grad Celsius und nur sparsames Gießen.

Was ich dagegen nicht machen würde, wäre Rosmarin aus zehn Grad Außentemperatur direkt ins 22 Grad warme Wohnzimmer zu stellen, am besten noch über die Heizung. Immergrüne mediterrane Pflanzen brauchen im Winter Licht, während gleichzeitig ihr Stoffwechsel bei kühleren Temperaturen herunterfährt. Warm und dunkel ist deshalb eine ziemlich ungünstige Kombination.

Der Rosmarin glaubt dann gewissermaßen, es sei Sommer, bekommt aber deutsches Dezemberlicht.

Das endet nicht immer glücklich.

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Rosmarin leidet häufig eher unter Nässe als unter ein bisschen Kälte

Wenn Rosmarin im Beet bleiben soll, achte ich vor allem darauf, dass Wasser schnell ablaufen kann.

Die Pflanze stammt aus Regionen, in denen trockene, steinige und sehr durchlässige Böden normal sind. Staunässe verträgt sie dagegen ausgesprochen schlecht. Auch bei Kübelpflanzen sollte deshalb ein Substrat verwendet werden, das überschüssiges Wasser zuverlässig ableitet.

Das ist übrigens auch der Grund, warum ich empfindliche mediterrane Kräuter im Winter nicht dick mit feuchtem Laub einpacken würde.

Was bei anderen Pflanzen wunderbar isoliert, kann bei einem Rosmarin gleichzeitig dafür sorgen, dass rund um die Basis über Wochen Feuchtigkeit gehalten wird.

Schutz ja.

Dauerfeuchtgebiet eher nein.

Thymian darf meistens draußen bleiben

Bei Thymian bin ich deutlich entspannter.

Die meisten verbreiteten Thymiansorten kommen mit Frost gut zurecht und können im Beet überwintern, sofern der Standort durchlässig ist. Die RHS beschreibt die meisten handelsüblichen Thymiansorten als frostverträglich, weist aber darauf hin, dass weniger robuste Arten beziehungsweise Sorten zusätzlichen Schutz benötigen können.

Auch hier ist Nässe ein größeres Thema, als viele denken.

Thymian möchte keinen schweren Boden, in dem im Januar wochenlang Wasser steht. Wenn mein Boden sehr lehmig ist, würde ich schon beim Pflanzen dafür sorgen, dass er durchlässiger wird.

Im Kübel stelle ich Thymian gern näher an eine geschützte Hauswand, aber ich würde ihn nicht automatisch ins Haus holen.

Das Schöne ist außerdem, dass Thymian im Winter teilweise weiter beerntet werden kann. Die Bayerische Gartenakademie weist darauf hin, dass kleine Mengen von Thymian und anderen immergrünen Kräutern auch während des Winters frisch geschnitten werden können.

Ich muss meinen Thymian also nicht Ende Oktober komplett abernten, nur weil irgendwann Dezember wird.

Salbei: robust, solange er nicht absäuft

Echter Salbei ist in unseren Gärten ebenfalls erstaunlich robust und kann in vielen Regionen draußen bleiben.

Das Problem ist wiederum weniger der normale Winterfrost als eine Kombination aus kalter Nässe und schlecht drainiertem Boden. Die RHS weist bei Salbei ausdrücklich darauf hin, dass zu viel winterlicher Regen Wurzelfäule fördern kann, weshalb Salbei im Topf geschützt vor dauerhaftem Niederschlag aufgestellt werden sollte.

Bei Kübeln finde ich deshalb einen Platz im Regenschatten einer Hauswand ideal, solange die Pflanze trotzdem ausreichend Licht bekommt.

Und auch beim Salbei würde ich im Oktober keine radikale Schnittaktion mehr veranstalten.

Einzelne Blätter oder Triebe kann ich selbstverständlich weiterhin ernten, einen kräftigen Rückschnitt verschiebe ich aber lieber auf einen geeigneteren Zeitpunkt. Bei verholzenden Kräutern wie Salbei, Rosmarin, Lavendel und Thymian werden stärkere Pflegeschnitte beziehungsweise das Entfernen von Frostschäden besser im Frühjahr erledigt.

Die Gartenschere darf im Herbst also durchaus gelegentlich einfach geschlossen bleiben.

Oregano: meistens deutlich unkomplizierter

Der klassische Dost beziehungsweise Origanum vulgare ist zuverlässig winterhart und kann normalerweise problemlos draußen überwintern. Manche weniger verbreiteten Oreganoarten sind allerdings empfindlicher, weshalb sich bei exotischeren Sorten tatsächlich ein Blick aufs Etikett lohnt.

Beim gewöhnlichen Oregano mache ich mir dagegen wenig Sorgen.

Die oberirdischen Teile können im Winter teilweise zurückgehen und im Frühjahr treibt die Pflanze wieder aus.

Ich würde deshalb einen Oregano im Beet nicht ausgraben und ins Haus schleppen, nur weil nachts Minusgrade angekündigt sind.

Das wäre ungefähr so, als würde man einen Igel im Oktober ins Wohnzimmer setzen, weil draußen Winter kommt.

Gut gemeint, aber am eigentlichen Konzept vorbeigearbeitet.

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Minze darf draußen bleiben

Minze ist ebenfalls mehrjährig und kann bei uns normalerweise draußen überwintern. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben je nach Witterung weitgehend zurück, während die Rhizome im Boden überleben und im Frühjahr wieder neu austreiben.

Wenn meine Minze im November plötzlich aussieht, als sei ihr gesamter Lebenswille verschwunden, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass ich sie umgebracht habe.

Sie macht Winter.

Mehr nicht.

Im Kübel würde ich bei starken Frösten trotzdem den Topf etwas schützen, weil auch hier der Wurzelballen schneller durchfriert als im Beet.

Und wer Minze im Beet stehen hat, weiß wahrscheinlich ohnehin, dass das langfristige Überleben dieser Pflanze meistens nicht zu den größten Sorgen des Gartenjahres gehört.

Eher das Gegenteil.

Zitronenmelisse kann ebenfalls draußen bleiben

Ähnlich unkompliziert ist Zitronenmelisse.

Sie zieht im Herbst oberirdisch ein und treibt im Frühjahr aus ihrem Wurzelstock wieder neu aus.

Ich kann die vertrockneten Triebe im Herbst abschneiden, muss es aber nicht sofort tun. Ein Teil darf ruhig bis zum Frühjahr stehen bleiben, denn trockene Pflanzenreste bieten im Garten zusätzlich Struktur und Rückzugsmöglichkeiten für Insekten.

Was ich nicht machen würde, ist eine gesunde Zitronenmelisse im Herbst auszugraben, in einen Topf setzen und ins Wohnzimmer bringen.

Sie braucht keine Rettungsaktion.

Sie braucht Winter.

Schnittlauch sieht tot aus und kommt trotzdem wieder

Schnittlauch gehört ebenfalls zu den Kräutern, die im Herbst oberirdisch weitgehend verschwinden können.

Die Halme werden gelb und ziehen ein, während die Pflanze unterirdisch weiterlebt und im Frühjahr wieder austreibt.

Ich lasse ihn deshalb einfach machen und schneide die vertrockneten Halme irgendwann zurück.

Bei einem Schnittlauchtopf auf dem Balkon kann ein etwas geschützter Standort sinnvoll sein, grundsätzlich ist Schnittlauch aber sehr winterfest.

Und tatsächlich finde ich gerade diesen natürlichen Jahresrhythmus schön, weil im Frühjahr plötzlich wieder die ersten grünen Spitzen erscheinen, obwohl der Topf ein paar Wochen vorher aussah, als könne man ihn eigentlich direkt auf den Kompost stellen.

Geduld rettet im Garten erstaunlich viele Pflanzen.

Petersilie kommt meistens erstaunlich gut mit Kälte zurecht

Petersilie ist zweijährig und relativ frosttolerant, weshalb man sie teilweise bis weit in den Winter hinein ernten kann.

Ein etwas geschützter Standort oder ein Vlies verlängert die Ernte zusätzlich.

Da Petersilie im zweiten Jahr allerdings in die Blüte geht, darf man sich nicht wundern, wenn eine überwinterte Pflanze im nächsten Frühjahr irgendwann beschließt, ihre Energie nicht mehr hauptsächlich in schöne Blätter, sondern in einen Blütenstand zu investieren.

Das ist keine schlechte Pflege.

Das ist schlicht ihr Lebenszyklus.

Basilikum gehört definitiv nicht zu den Kandidaten für draußen

Bei Basilikum gibt es wesentlich weniger Diskussionsbedarf.

Basilikum ist wärmeliebend und frostempfindlich. Wenn die Nächte dauerhaft kalt werden, ist seine Zeit im Freiland vorbei.

Wer eine schöne Pflanze besitzt, kann versuchen, sie vor den ersten Frösten hereinzuholen, wobei Basilikum auch drinnen sehr viel Licht braucht und mit typischem Winterzimmerklima nicht immer glücklich wird.

Ich bin deshalb ehrlich gesagt eher ein Freund davon, vorher ordentlich zu ernten und den Überschuss sinnvoll haltbar zu machen, statt im Dezember auf der Fensterbank mit einer traurigen Basilikumpflanze um jedes Blatt zu kämpfen.

Man kann Basilikum beispielsweise einfrieren oder verarbeiten, und genau solche Entscheidungen sind für mich ein gutes Beispiel dafür, dass Haltbarmachen manchmal sinnvoller ist als krampfhaftes Überwintern.

Estragon ist nicht gleich Estragon

Beim Estragon wird es wieder interessant, denn französischer Estragon ist empfindlicher gegen kalte, nasse Winter als der robuste russische Estragon.

Die RHS empfiehlt französischen Estragon deshalb bevorzugt für den Topf, damit er im Winter an einen geschützten Ort wie ein Gewächshaus oder eine Veranda gebracht werden kann. Entscheidend ist dabei nicht nur die Kälte, sondern ausdrücklich auch der Schutz vor winterlicher Nässe.

Das ist wieder ein gutes Beispiel dafür, warum eine Liste mit Estragon winterhart einfach nicht reicht.

Man muss wissen, welchen Estragon man eigentlich hat.

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Kräuter im Kübel richtig schützen

Wenn meine Kräuter im Topf draußen bleiben sollen, stelle ich sie nicht einzeln mitten auf die Terrasse und wünsche ihnen viel Erfolg.

Ich rücke die Kübel möglichst dicht an eine geschützte Hauswand, idealerweise so, dass sie nicht ständig vom Winterregen getroffen werden. Mehrere Töpfe können dicht zusammengestellt werden, wodurch sie sich gegenseitig etwas gegen extreme Temperaturschwankungen abschirmen.

Bei stärkeren Frösten kann ich die Gefäße beispielsweise mit Jute oder anderem isolierenden Material umwickeln. Auch Stroh oder spezielle Schutzmaterialien können verwendet werden, um die Wurzeln gegen starkes Durchfrieren zu schützen.

Dabei schütze ich vor allem den Topf und damit die Wurzeln.

Die komplette Pflanze luftdicht in Plastik einzuwickeln wäre dagegen keine besonders brillante Idee, weil sich Feuchtigkeit sammeln kann.

Pflanzen brauchen auch im Winter Luft.

Müssen Kräuter im Winter gegossen werden?

Ja.

Nur deutlich weniger.

Das wird bei immergrünen Kräutern gern vergessen, weil man im Januar verständlicherweise wenig Motivation verspürt, mit der Gießkanne durch den Garten zu laufen.

Rosmarin, Thymian oder Salbei verdunsten aber auch im Winter Wasser über ihre Blätter. Wenn der Boden über längere Zeit trocken ist und gleichzeitig nicht gefroren ist, müssen sie deshalb gelegentlich gegossen werden.

Das gilt besonders für Kübelpflanzen, weil deren Wasservorrat begrenzt ist.

Was ich nicht mache, ist nach einem festen Kalender jeden Samstag einen Liter Wasser in den Rosmarintopf zu kippen.

Ich kontrolliere die Erde.

Ist sie noch feucht, bleibt die Gießkanne stehen.

Ist sie trocken und der Wurzelballen nicht gefroren, gieße ich vorsichtig.

Im Winter geht es eher darum, komplettes Austrocknen zu verhindern und gleichzeitig Staunässe zu vermeiden.

Man bewegt sich also in diesem wunderbaren gärtnerischen Bereich zwischen nicht zu viel und nicht zu wenig.

Sehr präzise.

Im Winter bitte nicht düngen

Pflanzen wachsen in der kalten und lichtarmen Jahreszeit deutlich langsamer, weshalb sie entsprechend weniger Nährstoffe benötigen.

Bei überwinternden Kübelkräutern würde ich deshalb im Winter nicht regelmäßig düngen. Auch für winterliche Kübelpflanzen empfiehlt die RHS während dieser Phase keine zusätzliche Düngung.

Frischer Dünger soll Wachstum fördern.

Genau dieses weiche, frische Wachstum brauche ich mitten im Winter allerdings überhaupt nicht.

Es ist empfindlicher gegenüber ungünstigen Bedingungen und bringt der Pflanze zu dieser Jahreszeit wenig.

Die Düngertüte darf deshalb ebenfalls Winterschlaf machen.

Der größte Fehler: Kräuter zu warm überwintern

Wenn ein Kraut nicht draußen bleiben kann, heißt das nicht automatisch Wohnzimmer.

Gerade Rosmarin und andere mediterrane immergrüne Kräuter stehen im Winter besser hell und kühl als warm und dunkel. Für Rosmarin im Kübel nennt die Bayerische Gartenakademie ungefähr 5 bis 10 Grad Celsius als günstigen Bereich.

Ein heller unbeheizter Flur, ein geeignetes Treppenhaus, Wintergarten oder frostfreies Gewächshaus kann deshalb besser funktionieren als die warme Küche.

Je wärmer die Pflanze steht, desto aktiver bleibt ihr Stoffwechsel und desto mehr Licht benötigt sie.

Im deutschen Dezember haben wir allerdings nicht unbedingt einen Überschuss an mediterraner Sonne zur Verfügung.

Deshalb ist kühl und hell meistens die bessere Kombination.

Der zweite große Fehler: Zu viel gießen

Das passiert besonders leicht, wenn Kräuter ins Winterquartier kommen.

Man sieht den Topf jeden Tag, fühlt sich verantwortlich und gibt vorsichtshalber etwas Wasser.

Und noch etwas.

Und noch etwas.

Während die Pflanze aufgrund der niedrigen Temperaturen und des geringen Lichts kaum Wasser verbraucht.

Irgendwann stehen die Wurzeln dauerhaft feucht und beginnen zu faulen.

Gerade Rosmarin und Salbei reagieren auf solche Bedingungen empfindlich. Für Salbei nennt die RHS überschüssige winterliche Feuchtigkeit ausdrücklich als mögliches Problem.

Ich kontrolliere deshalb lieber mit dem Finger die Erde, anstatt aus schlechtem Gewissen zu gießen.

Pflanzen sind erstaunlich gut darin, eine kurze trockene Phase zu überstehen.

Wurzelfäule ist schwieriger rückgängig zu machen.

Und bitte nicht im Oktober alles kurz schneiden

Der dritte Klassiker ist der Herbstputz.

Wenn ohnehin alles winterfest gemacht wird, liegt der Gedanke nahe, auch Thymian, Salbei, Rosmarin und Lavendel ordentlich in Form zu bringen.

Genau davon würde ich abraten.

Bei verholzenden Kräutern lasse ich einen größeren Teil der Pflanze über den Winter stehen und verschiebe stärkere Schnittmaßnahmen ins Frühjahr beziehungsweise auf den empfohlenen Schnittzeitpunkt. Frostgeschädigte oder abgestorbene Triebe lassen sich dann auch viel besser erkennen.

Ein bisschen ernten ist natürlich etwas anderes.

Ich kann weiterhin Rosmarin oder Thymian für die Küche schneiden, ohne gleichzeitig den kompletten Strauch zu halbieren. Einige immergrüne Kräuter wie Thymian, Rosmarin und Salbei können sogar im Winter in kleinen Mengen frisch geerntet werden.

Und ganz ehrlich: Wenn ich im Dezember noch frischen Thymian aus dem Garten holen kann, sehe ich überhaupt keinen Grund, ihn im Oktober vorsorglich komplett abzuschneiden.

Meine einfache Einteilung für den Kräutergarten

Wenn ich Mitte Oktober durch meinen Kräutergarten gehe, teile ich die Pflanzen inzwischen grob in drei Gruppen ein.

Robuste mehrjährige Kräuter wie Thymian, Salbei, Oregano, Minze, Zitronenmelisse und Schnittlauch dürfen im Beet normalerweise bleiben. Bei mediterranen Arten achte ich besonders auf einen gut drainierten Standort und vermeide unnötige Nässe.

Empfindlichere mediterrane Kräuter wie Rosmarin entscheide ich nach Sorte, Standort und Haltungsform. Ein kräftiger Rosmarin an einer geschützten Hauswand im durchlässigen Beet hat andere Chancen als ein kleiner Topf, der frei auf einer zugigen Terrasse steht.

Frostempfindliche Kräuter wie Basilikum werden rechtzeitig geerntet oder ins Haus geholt, wobei ich nicht zwanghaft versuche, jede Pflanze bis zum nächsten Mai durchzubringen.

Manchmal ist die sinnvollste Form der Überwinterung nämlich gar keine.

Dann ernte ich das Kraut, friere es ein, trockne es oder verarbeite es und säe beziehungsweise pflanze im Frühjahr neu.

Nicht jeder braune Stängel bedeutet, dass die Pflanze tot ist

Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke für alle, die im ersten Winter einen Kräutergarten haben.

Minze, Zitronenmelisse oder Schnittlauch können oberirdisch vollkommen verschwinden und trotzdem im Frühjahr wieder auftauchen.

Ich würde deshalb im Februar nicht hektisch sämtliche vermeintlich verstorbenen Pflanzen ausgraben.

Manche brauchen einfach Zeit.

Und selbst bei immergrünen Kräutern warte ich nach einem harten Winter lieber etwas ab, bevor ich größere Teile abschneide, denn häufig zeigt sich erst im Frühjahr zuverlässig, welcher Bereich tatsächlich Frostschäden hat und wo noch Leben steckt.

Gartenarbeit besteht erstaunlich oft aus der Fähigkeit, ein paar Wochen einfach nichts zu tun.

Nicht meine größte Stärke, aber ich arbeite daran.

Ein bisschen Schutz reicht oft weiter als eine komplette Rettungsaktion

Ich habe beim Überwintern inzwischen aufgehört, aus jedem Kraut ein Intensivpflegeprojekt zu machen.

Bei den robusten Pflanzen reicht häufig ein vernünftiger Standort, durchlässiger Boden und bei Kübeln etwas Schutz für die Wurzeln. Empfindliche Kandidaten bekommen rechtzeitig ein helles, kühles Winterquartier, während einjährige und frostempfindliche Kräuter abgeerntet werden dürfen.

Und dann lasse ich den Garten tatsächlich Winter werden.

Denn auch wenn ich natürlich möglichst viel aus meinem Kräutergarten erhalten möchte, muss nicht jede Pflanze im Januar genauso aussehen wie im Juli.

Minze darf verschwinden.

Schnittlauch darf einziehen.

Thymian darf etwas struppig aussehen.

Und Rosmarin darf an einer geschützten Stelle einfach ein paar Monate weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Die Kunst besteht für mich inzwischen weniger darin, jedes Kraut vor dem Winter zu retten, sondern zu wissen, welches überhaupt gerettet werden muss.

Und manchmal ist die beste Winterpflege tatsächlich, einen Topf zwanzig Zentimeter näher an die Hauswand zu stellen und anschließend endlich die Finger davon zu lassen.