Hühner legen keine Eier mehr? 8 häufige Ursachen

|Maria Leiskau
Hühner legen keine Eier mehr? 8 häufige Ursachen

 

Warum legen meine Hühner plötzlich keine Eier mehr? 8 Gründe, die viele übersehen

Wer Hühner hält, kennt wahrscheinlich diesen sehr speziellen Moment, in dem man mit dem Eierkorb in den Stall geht, das Nest aufmacht und sich kurz fragt, ob die gesamte Belegschaft über Nacht geschlossen in den Streik getreten ist. Gestern lagen dort noch fünf Eier, vorgestern sogar sechs, heute sitzt man vor einem einsamen Exemplar und beginnt im Kopf bereits sämtliche Krankheiten durchzugehen, die man irgendwann einmal irgendwo gelesen hat.

Dabei ist eine schwankende Legeleistung zunächst einmal völlig normal, denn eine Henne ist keine kleine Eiermaschine, die unabhängig von Jahreszeit, Alter, Futter, Temperatur und körperlicher Verfassung jeden Tag zuverlässig ein Ei produziert. Wie viele Eier ein Huhn legt, hängt von erstaunlich vielen Faktoren ab, und gerade deshalb lohnt es sich, nicht nur auf das leere Nest zu schauen, sondern auf das gesamte Tier und die Situation drumherum.

Wenn bei meinen Hühnern plötzlich deutlich weniger Eier im Nest liegen, würde ich deshalb nicht sofort irgendetwas behandeln oder das Futter komplett umstellen, sondern zunächst systematisch überlegen, was sich verändert haben könnte. Sehr häufig findet man dabei eine ziemlich harmlose Erklärung, manchmal steckt allerdings tatsächlich ein gesundheitliches Problem dahinter.

Und bevor wir über Mauser, Futter oder Parasiten sprechen, beginnen wir mit der Ursache, die gleichzeitig banal und erstaunlich häufig ist.

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1. Deine Hühner legen Eier, aber leider nicht in dein Legenest

Hühner haben manchmal ausgesprochen klare Vorstellungen davon, wo ein perfekter Platz für ein Ei zu sein hat, und diese Vorstellungen stimmen nicht zwingend mit unserem liebevoll vorbereiteten Legenest überein.

Besonders Hühner mit großem Auslauf können sich versteckte Nester suchen, beispielsweise unter Sträuchern, zwischen gelagertem Holz, hinter Brettern, in hohem Gras oder an irgendwelchen Stellen, an denen man drei Wochen lang täglich vorbeiläuft, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, dort nach Eiern zu suchen.

Wenn also einzelne Hennen plötzlich scheinbar nicht mehr legen, ansonsten aber munter sind, normal fressen, trinken und sich völlig unauffällig verhalten, würde ich tatsächlich erst einmal den Auslauf absuchen. Besonders interessant wird es, wenn eine Henne morgens regelmäßig für längere Zeit irgendwo verschwindet und anschließend erstaunlich zufrieden wieder bei der Gruppe auftaucht.

Auch Eierfressen kann dazu führen, dass die Zahl im Nest nicht mit der tatsächlich produzierten Menge übereinstimmt. Dabei finden sich häufig Hinweise wie Schalenreste, feuchte Stellen oder verschmutzte Einstreu, wobei natürlich auch andere Tiere Eier beschädigen oder verschleppen können.

Bevor ich also aus einem fehlenden Ei einen medizinischen Notfall mache, würde ich zuerst sicherstellen, dass das Ei wirklich nicht existiert und nicht einfach fünf Meter weiter unter einem Busch liegt.

Hühner machen einem die Diagnostik manchmal erstaunlich leicht. Man muss nur an den richtigen Stellen suchen.

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2. Die Tage werden kürzer und deine Hühner merken das früher als du

Die Eierproduktion eines Huhns hängt eng mit der Tageslänge zusammen, weil Licht über hormonelle Prozesse die Fortpflanzungsaktivität beeinflusst. Hennen, die ausschließlich unter natürlichem Tageslicht gehalten werden, reduzieren deshalb mit abnehmender Tageslänge häufig ihre Legeleistung oder stellen sie zeitweise ganz ein. Das Merck Veterinary Manual beschreibt, dass Hühner in Haltung mit natürlichem Licht bei kürzer werdenden Tagen mit dem Legen aufhören und häufig gleichzeitig in die Mauser kommen.

Das ist besonders interessant, weil dieser Effekt nicht erst beginnt, wenn wir Menschen im Dezember um vier Uhr nachmittags das Licht einschalten müssen. Bereits nach der Sommersonnenwende werden die Tage wieder kürzer, auch wenn es sich Ende Juli oder im August für uns noch überhaupt nicht nach Herbst anfühlt.

Deshalb kann eine langsam sinkende Eierzahl im Spätsommer und Herbst durchaus mit dem natürlichen Jahresrhythmus zusammenhängen.

Für eine kontinuierliche Legeleistung werden häufig ungefähr 12 bis 14 Stunden Licht täglich genannt. In der professionellen Haltung wird deshalb teilweise mit künstlicher Beleuchtung gearbeitet, allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass man das im privaten Hühnerstall ebenfalls tun muss.

Ich persönlich würde eine natürliche Winterpause nicht allein deshalb verhindern wollen, weil ich im Januar unbedingt dieselbe Eiermenge wie im Mai haben möchte. Entscheidend ist für mich vielmehr, ob die Tiere gesund wirken und ob der Rückgang der Legeleistung zum Gesamtbild passt.

Wenn die Tage kürzer werden, mehrere Hennen gleichzeitig weniger legen und ansonsten alle munter durch den Garten laufen, ist das etwas völlig anderes als eine einzelne Henne, die von heute auf morgen nicht mehr legt und gleichzeitig krank wirkt.

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3. Die Mauser kostet den Körper deutlich mehr, als man von außen vermuten würde

Wenn im Stall plötzlich überall Federn herumliegen und einzelne Hühner aussehen, als hätten sie eine etwas unglückliche Nacht hinter sich, beginnt häufig die Mauser.

Während dieser Zeit wird ein großer Teil des Gefieders erneuert, und weil Federn überwiegend aus Proteinen aufgebaut werden, kostet dieser Vorgang den Körper erhebliche Mengen an Energie und Nährstoffen. Gleichzeitig ein neues Federkleid aufzubauen und weiterhin auf maximalem Niveau Eier zu produzieren, wäre für den Organismus ausgesprochen aufwendig, weshalb viele Hennen ihre Eierproduktion während der Mauser stark reduzieren oder vollständig einstellen. Unter natürlicher Tageslichtführung fällt die Mauser häufig mit der saisonalen Legepause zusammen.

Dabei muss eine Mauser nicht immer sofort spektakulär aussehen. Manche Hühner verlieren innerhalb relativ kurzer Zeit große Mengen Federn, während andere viel unscheinbarer mausern und zunächst nur einzelne kahle Bereiche oder neu wachsende Federkiele zeigen.

Wenn plötzlich weniger Eier kommen, schaue ich deshalb nicht nur ins Nest, sondern auch auf den Stallboden und ins Gefieder. Liegen dort deutlich mehr Federn als sonst, wachsen neue Federkiele nach und passt die Jahreszeit dazu, ist die Mauser eine sehr naheliegende Erklärung.

In dieser Phase ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig, wobei ich nicht einfach irgendwelche einzelnen Nährstoffe in möglichst großen Mengen zufüttern würde. Ein Huhn braucht nicht nur Protein, sondern ein insgesamt ausgewogenes Verhältnis aus Energie, Aminosäuren, Mineralstoffen und Vitaminen.

Mehr von allem ist in der Tierernährung nämlich ungefähr genauso sinnvoll wie die Behauptung, drei Vitaminpräparate seien automatisch dreimal gesünder.

4. Das Alter spielt eine größere Rolle, als viele denken

Wenn eine Henne im ersten oder zweiten Legejahr regelmäßig Eier produziert hat, erwartet man unbewusst irgendwann, dass das einfach so weitergeht. Tatsächlich verändert sich die Legeleistung aber mit zunehmendem Alter deutlich.

Hennen beginnen je nach Rasse und Entwicklung ungefähr im ersten Lebenshalbjahr mit dem Legen, wobei die höchste Legeleistung typischerweise während der ersten beiden Jahre erreicht wird. Danach können Hühner noch viele Jahre Eier legen, allerdings nimmt die Anzahl normalerweise allmählich ab, während Legepausen länger werden können.

Das bedeutet nicht, dass eine fünf Jahre alte Henne automatisch keine Eier mehr legt, und genauso wenig bedeutet es, dass jede junge Henne jeden Tag liefern muss. Rasse, individuelle Veranlagung, Jahreszeit und Haltung spielen ebenfalls eine Rolle.

Wenn man unterschiedliche Altersgruppen zusammenhält, fällt dieser Unterschied oft besonders auf, weil die jungen Hennen teilweise ausgesprochen zuverlässig produzieren, während eine ältere Dame irgendwann eher das Modell gelegentliche Sonderedition verfolgt.

Solange ein älteres Huhn munter ist, normal frisst, sein Gewicht hält und keine weiteren Auffälligkeiten zeigt, muss eine langsam sinkende Legeleistung deshalb überhaupt nichts Krankhaftes bedeuten.

5. Deine Henne ist gluckig und hat gerade völlig andere Pläne

Eine gluckige Henne möchte nicht weiter jeden Tag Eier produzieren, sondern brüten. Dabei verändert sich ihr Hormonhaushalt, sie bleibt lange im Nest sitzen und stellt die normale Legetätigkeit ein.

Meistens ist das Verhalten ziemlich eindeutig, denn eine ernsthaft gluckige Henne sitzt nicht einfach nur gemütlich zehn Minuten länger im Nest. Sie macht sich breit, sträubt teilweise das Gefieder, gibt charakteristische Laute von sich und reagiert mitunter ausgesprochen ungehalten auf den Versuch, sie von ihrem Platz zu entfernen.

Wer schon einmal versucht hat, einer überzeugten Glucke zu erklären, dass unter ihr überhaupt keine Eier liegen, weiß außerdem, wie hoch die Verhandlungsbereitschaft auf beiden Seiten ungefähr ist.

Ohne Eingreifen kann Brutigkeit mehrere Wochen anhalten. Das Merck Veterinary Manual nennt für unbeeinflusste Hennen häufig etwa drei bis vier Wochen, wobei Bruttrieb und Intensität auch von Rasse und individueller Veranlagung abhängen.

Wenn also eine einzelne Henne plötzlich nicht mehr legt und gleichzeitig praktisch im Legenest eingezogen ist, wäre ein Vitaminmangel ziemlich weit unten auf meiner persönlichen Verdächtigenliste.

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6. Hitze und Stress können die Eierproduktion deutlich beeinflussen

Hühner reagieren auf Veränderungen häufig empfindlicher, als man ihnen ansieht, denn auch wenn sie weiterhin im Auslauf herumlaufen, können Hitze, Rangordnungskämpfe, neue Gruppenmitglieder, Transport, Stallwechsel oder dauernde Unruhe körperlichen Stress verursachen.

Gerade hohe Temperaturen sind ein gutes Beispiel, weil Hühner nicht schwitzen können und ihre Körpertemperatur unter anderem durch Hecheln regulieren. Bei Hitzestress verändert sich die Futteraufnahme, und durch das verstärkte Hecheln können sich zusätzlich Prozesse verändern, die auch für eine normale Eierschalenbildung relevant sind. Hohe Temperaturen können deshalb sowohl Eierproduktion als auch Schalenqualität beeinträchtigen.

An sehr heißen Tagen schaue ich deshalb nicht ausschließlich darauf, ob ausreichend Wasser im Stall steht, sondern ob tatsächlich alle Tiere problemlos an die Tränken kommen. Gerade rangniedrige Hennen können an stark frequentierten Futter oder Wasserstellen verdrängt werden, weshalb mehrere gut erreichbare Stellen sinnvoll sein können.

Auch andere Stressfaktoren sollte man nicht unterschätzen. Wenn neue Hühner in eine bestehende Gruppe kommen, ein Raubtier immer wieder am Gehege auftaucht oder ein sehr dominanter Hahn einzelne Tiere permanent bedrängt, kann sich das durchaus auf das Verhalten und die Legeleistung auswirken.

Nicht jede Legepause braucht deshalb eine medizinische Erklärung. Manchmal braucht das Huhn schlicht wieder etwas Ruhe.

7. Das Futter kann reichhaltig aussehen und trotzdem nicht optimal zusammengesetzt sein

Dieser Punkt wird meiner Meinung nach besonders häufig unterschätzt, weil abwechslungsreiches Futter schnell mit ausgewogenem Futter verwechselt wird.

Eine Henne, die regelmäßig Eier produziert, hat einen erheblichen Nährstoffbedarf, und das gilt nicht nur für Calcium. Ein typisches Ei benötigt ungefähr zwei Gramm Calcium für seine Bildung, weshalb Legehennen einen deutlich höheren Calciumgehalt im Futter benötigen als Tiere, die noch nicht legen. Das Merck Veterinary Manual nennt für Legehennen je nach Ration ungefähr 3,5 bis 6 Prozent Calcium.

Aber ein Ei besteht natürlich nicht nur aus Schale. Für Dotter, Eiweiß und den gesamten Stoffwechsel braucht die Henne außerdem ausreichend Energie, Protein beziehungsweise die richtigen Aminosäuren sowie weitere Mineralstoffe und Vitamine. Auch Vitamin D spielt im Calciumstoffwechsel eine wichtige Rolle, und ein ausgeprägter Mangel kann sowohl die Eierproduktion als auch die Schalenqualität beeinträchtigen.

Deshalb bin ich bei einer Fütterung, die hauptsächlich aus einzelnen Getreidesorten, Küchenresten und Leckereien besteht, vorsichtig, auch wenn der Napf auf den ersten Blick wunderbar abwechslungsreich aussieht. Wenn solche Extras einen großen Teil der Ration ausmachen, können sie ein eigentlich ausgewogenes Grundfutter verdrängen.

Das ist ungefähr so, als würde ich behaupten, meine Ernährung sei ausgesprochen vielseitig, weil ich morgens Kuchen, mittags Pommes und abends Chips esse.

Technisch gesehen sind es drei verschiedene Lebensmittel.

Damit hätten wir die Ernährungswissenschaft allerdings auch schon ausreichend beleidigt.

Wenn mehrere Hennen plötzlich weniger legen, würde ich deshalb überlegen, ob sich bei der Fütterung etwas verändert hat, ob alle Tiere tatsächlich genug aufnehmen und ob Futter und Wasser sauber und jederzeit erreichbar sind.

8. Parasiten oder Krankheiten können tatsächlich hinter der Legepause stecken

Bis hierher waren viele Ursachen vollkommen natürliche Vorgänge, aber natürlich kann eine plötzlich ausbleibende Eierproduktion auch ein Hinweis darauf sein, dass gesundheitlich etwas nicht stimmt.

Parasiten gehören zu den Dingen, die ich bei unerklärlichem Leistungsabfall kontrollieren würde. Selbst ein mäßiger Befall mit bestimmten blutsaugenden Vogelmilben kann die Eierproduktion reduzieren, während stärkerer Befall zusätzlich zu Blutarmut, Gewichtsverlust und deutlicher Schwächung führen kann.

Gerade bei der roten Vogelmilbe reicht es übrigens nicht, mittags einmal unter die Flügel zu schauen und anschließend zufrieden festzustellen, dass man keine Milbe gefunden hat. Diese Milben verbringen einen großen Teil des Tages versteckt im Stall und werden überwiegend nachts aktiv, weshalb Sitzstangen, Ritzen, Legenester und deren Verbindungen ebenfalls kontrolliert werden müssen.

Neben Parasiten kommen verschiedene Erkrankungen infrage, die mit einer verminderten Legeleistung einhergehen können. Auch Erkrankungen des Verdauungstraktes oder Infektionen, bei denen Futter und Wasseraufnahme sinken, können sich auf die Eierproduktion auswirken. Bei Kokzidiose können beispielsweise neben Durchfall und Gewichtsverlust auch reduzierte Futteraufnahme und eine geringere Legeleistung auftreten.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes fehlende Ei sofort auf eine schwere Krankheit hinweist, denn eine verminderte Eierproduktion ist ein ausgesprochen unspezifisches Symptom. Genau deshalb ist der Blick auf das gesamte Huhn viel wichtiger als die reine Zahl im Eierkorb.

Wann ich bei einer Legepause wirklich genauer hinschaue

Wenn eine Henne während der Mauser weniger legt, eine ältere Henne allmählich größere Abstände zwischen ihren Eiern hat oder die gesamte Gruppe bei kürzer werdenden Tagen langsam die Produktion reduziert, passt das zunächst zu völlig normalen biologischen Vorgängen.

Anders sieht es aus, wenn eine Henne plötzlich aufhört zu legen und gleichzeitig ihr Verhalten verändert.

Ein Huhn, das aufgeplustert abseits der Gruppe sitzt, schlecht frisst, ungewöhnlichen Kot absetzt, Gewicht verliert, Atemgeräusche zeigt, stark presst, auffällig läuft oder dessen Bauch beziehungsweise Kloakenbereich verändert wirkt, würde ich nicht einfach mit einer normalen Legepause erklären.

Auch deutliche Veränderungen der Eier können Hinweise liefern. Wenn plötzlich ungewöhnlich dünne, verformte oder anderweitig auffällige Eier auftreten und gleichzeitig weitere Symptome dazukommen, lohnt sich ein genauer Blick.

Besonders aufmerksam würde ich außerdem werden, wenn nicht nur eine einzelne Henne betroffen ist, sondern innerhalb kurzer Zeit die Legeleistung der gesamten Gruppe deutlich einbricht, obwohl weder Mauser noch Jahreszeit, Hitze oder eine andere offensichtliche Veränderung dazu passen.

Dann möchte ich wissen, warum.

Nicht drei Wochen lang ausprobieren, welches Kräuterpulver vielleicht helfen könnte.

Was ich als Erstes kontrollieren würde

Wenn plötzlich deutlich weniger Eier im Nest liegen, versuche ich nicht, acht Dinge gleichzeitig zu verändern, weil man danach meistens überhaupt nicht mehr weiß, was eigentlich die Ursache war.

Ich schaue zuerst auf die Tiere selbst und frage mich, ob sie munter wirken, normal fressen und trinken, wie Gefieder und Kot aussehen und ob einzelne Hennen auffällig viel Zeit im Nest verbringen. Danach kommen Alter, Jahreszeit, beginnende Mauser, Temperatur und mögliche Veränderungen innerhalb der Gruppe hinzu.

Anschließend würde ich Stall und Tiere auf Parasiten kontrollieren und natürlich einmal den gesamten Auslauf nach einem versteckten Nest absuchen.

Gerade dieser systematische Blick verhindert, dass aus einem vollkommen normalen Vorgang sofort ein Krankheitsfall gemacht wird, hilft aber gleichzeitig dabei, echte Probleme früher zu erkennen.

Denn am Ende interessiert mich nicht nur, ob ein Ei fehlt.

Mich interessiert, wie es dem Huhn geht.

Ein Huhn muss nicht jeden Tag ein Ei legen

Wir sind inzwischen so sehr daran gewöhnt, Eier jederzeit im Supermarkt kaufen zu können, dass eine extrem hohe Legeleistung schnell wie der natürliche Normalzustand eines Huhns wirkt.

Dabei ist die Bildung eines Eis ein komplexer körperlicher Prozess, der Energie und Nährstoffe benötigt. Gleichzeitig laufen im Körper noch unzählige andere Prozesse ab, und wenn eine Henne mausert, brütet, älter wird, mit Hitze kämpft oder gesundheitlich angeschlagen ist, kann die Eierproduktion in den Hintergrund rücken.

Deshalb ist ein leeres Nest für mich zunächst einmal eine Information und noch keine Diagnose.

Wenn ich allerdings merke, dass neben der Legepause weitere Symptome auftauchen, möchte ich diese einordnen können, und genau deshalb habe ich mein Buch Hühnerkrankheiten von A bis Z geschrieben. Dort geht es ausführlicher um typische Erkrankungen und Symptome, darum, worauf man bei einem auffälligen Huhn achten kann und vor allem darum, den Unterschied zwischen einem normalen Verhalten und einem möglichen gesundheitlichen Problem besser zu erkennen.

Denn genau das ist im Alltag mit Hühnern meistens die schwierigste Frage: Nicht sofort herauszufinden, wie irgendeine Krankheit heißt, sondern überhaupt erst zu erkennen, ob das, was man gerade sieht, noch normal ist oder ob man handeln sollte.

Und manchmal endet die ganze Spurensuche trotzdem fünf Minuten später unter einem Johannisbeerstrauch, weil dort zwölf Eier liegen und die vermeintlich kranke Henne schlicht beschlossen hat, dass mein Legenest ihren Ansprüchen nicht mehr genügt.