Gemüse im September säen: Was jetzt noch ins Beet kann

|Maria Leiskau
Gemüse im September säen: Was jetzt noch ins Beet kann

 

Was du im September noch säen kannst: Gemüse für Herbst und Winter

Im September sieht mein Garten immer ein bisschen so aus, als könnte er sich nicht entscheiden, ob er noch mitten im Sommer steckt oder langsam Feierabend machen möchte. Auf der einen Seite hängen noch Tomaten an den Pflanzen, irgendwo liegt garantiert wieder eine Zucchini, die innerhalb von zwei Tagen auf Unterarmlänge gewachsen ist, und gleichzeitig werden die ersten Beete frei, weil Kartoffeln, Bohnen oder andere Sommerkulturen abgeerntet sind.

Genau an diesem Punkt machen viele den Garten gedanklich schon zu und sagen sich, dass es sich jetzt ohnehin nicht mehr lohnt, noch etwas auszusäen. Dabei ist der September im Gemüsegarten viel interessanter, als man zunächst denkt, denn einige Pflanzen mögen gerade diese Mischung aus noch warmem Boden, kühleren Nächten und weniger extremer Hitze ausgesprochen gern.

Man muss allerdings etwas genauer auswählen als im Frühjahr, weil nicht mehr jede Kultur genug Zeit hat, um vor dem Winter eine vernünftige Größe zu erreichen. Der Unterschied zwischen Anfang September und Ende September kann dabei erstaunlich groß sein, denn mit jedem Tag werden die Lichtstunden weniger und das Wachstum vieler Pflanzen wird deutlich langsamer.

Wenn ich im September noch einmal Saatgut aus der Kiste hole, überlege ich deshalb nicht nur, was theoretisch keimen könnte, sondern was jetzt tatsächlich noch sinnvoll ist.

Warum sich eine Aussaat im September überhaupt noch lohnt

Der Boden hat nach dem Sommer noch jede Menge Wärme gespeichert, was für die Keimung vieler Samen ein großer Vorteil ist. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer, dass frisch gesäte Reihen innerhalb weniger Stunden komplett austrocknen, wie es an heißen Julitagen schnell passieren kann.

Viele klassische Herbst und Winterkulturen brauchen außerdem gar keine Hochsommertemperaturen. Spinat, Feldsalat oder Winterportulak kommen mit kühlerem Wetter hervorragend zurecht und entwickeln sich teilweise sogar besser, wenn die große Hitze vorbei ist.

Dazu kommt, dass ein abgeerntetes Beet nicht monatelang leer bleiben muss. Gerade wenn man nur eine begrenzte Gartenfläche hat und möglichst viel aus dem eigenen Boden herausholen möchte, lohnt es sich, über Nachkulturen nachzudenken. Ein Beet, auf dem im Sommer Kartoffeln standen, kann im Herbst beispielsweise noch Feldsalat tragen, während eine andere Fläche mit Spinat oder einer passenden Gründüngung weiter genutzt wird.

Für mich ist genau das ein wichtiger Teil von Selbstversorgung, denn es geht nicht nur darum, im Sommer möglichst viel zu ernten, sondern die vorhandene Fläche sinnvoll über das ganze Jahr zu nutzen.

Feldsalat gehört für mich im September ganz klar ins Beet

Wenn ich nur eine einzige Kultur auswählen dürfte, die im September noch ausgesät wird, wäre Feldsalat ziemlich weit vorne. Er kommt mit niedrigen Temperaturen gut zurecht, braucht vergleichsweise wenig Platz und kann je nach Zeitpunkt, Standort und Witterung noch im Herbst oder später im Winter geerntet werden.

Ich säe Feldsalat am liebsten in Reihen, weil sich das Beet dadurch später deutlich leichter pflegen lässt. Wenn alles einfach breit über die Fläche verteilt wird, sieht das zwar zunächst sehr natürlich aus, aber spätestens wenn zwischen den kleinen Pflänzchen Unkraut auftaucht, wünsche ich mir persönlich wieder eine vernünftige Reihe zurück.

Wichtig ist vor allem, dass das Saatbeet nach der Aussaat nicht austrocknet. Gerade Anfang September kann es tagsüber noch ziemlich warm werden, und die oberste Erdschicht verliert dann schneller Feuchtigkeit, als man denkt. Ich halte die Fläche deshalb gleichmäßig feucht, ohne sie jeden Abend in einen kleinen Gartenteich zu verwandeln.

Auch zu dicht sollte Feldsalat später nicht stehen, denn eng stehende Pflanzen trocknen schlechter ab, was bei feuchtem Herbstwetter Pilzkrankheiten begünstigen kann. Lieber etwas Luft zwischen den Pflanzen lassen, auch wenn es am Anfang vielleicht nach verschenkter Fläche aussieht.

Spinat ist im Herbst oft unkomplizierter als mitten im Sommer

Spinat ist so eine Pflanze, bei der man sehr gut merkt, dass nicht jedes Gemüse den Hochsommer liebt. Wenn es zu heiß und trocken wird, kann Spinat relativ schnell in die Blüte gehen, bevor man überhaupt eine vernünftige Menge Blätter geerntet hat.

Im Spätsommer und frühen Herbst sieht die Sache deutlich besser aus, weshalb September für viele Sorten eine richtig gute Aussaatzeit ist. Je nachdem, wann du säst und welche Sorte du verwendest, kannst du noch im Herbst erste Blätter ernten oder die Pflanzen über den Winter stehen lassen und im Frühjahr weiter beernten.

Und genau deshalb lohnt sich tatsächlich einmal der Blick auf die Saatguttüte, auch wenn ich weiß, dass man die normalerweise ungefähr so begeistert liest wie die Bedienungsanleitung eines neuen Staubsaugers. Es gibt Sorten, die speziell für Herbst und Überwinterung geeignet sind, während andere eher für Frühjahr oder Sommer gedacht sind.

Wenn du Spinat im September aussäst, sollte der Boden locker und gleichmäßig feucht sein. Zu viel Stickstoff würde ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr geben, denn die Pflanzen sollen gesund und stabil wachsen, aber nicht mit aller Gewalt noch einmal einen Hochleistungssommer hinlegen.

Winterportulak ist eines dieser Gemüse, die viel mehr Menschen kennen sollten

Winterportulak, auch Postelein genannt, ist für mich eine dieser Pflanzen, bei denen man sich irgendwann fragt, warum man sie nicht schon viel früher angebaut hat.

Er wächst bei niedrigen Temperaturen, liefert zarte grüne Blätter und kann genau dann geerntet werden, wenn im Garten ansonsten nicht mehr besonders viel Frisches passiert. Während im Juli überall Salat herumsteht, finde ich es wesentlich spannender, im Winter noch etwas direkt aus dem Garten holen zu können.

Winterportulak eignet sich fürs Beet, fürs Hochbeet und natürlich auch fürs Gewächshaus. Wenn man bei der Ernte nicht die komplette Pflanze herauszieht, sondern nur die Triebe beziehungsweise Blätter schneidet, kann sie weiterwachsen und später erneut beerntet werden.

Gerade im Winter dauert das Wachstum natürlich länger als im Sommer, aber das stört mich überhaupt nicht. Zu dieser Jahreszeit erwartet schließlich niemand, dass innerhalb von zehn Tagen ein kompletter Salatwald entsteht.

Radieschen gehen noch, aber jetzt würde ich nicht mehr lange überlegen

Radieschen sind im Gemüsegarten ziemlich angenehm, weil sie vergleichsweise schnell wachsen. Deshalb kann sich eine Aussaat Anfang September durchaus noch lohnen, besonders wenn du eine Sorte mit kurzer Entwicklungszeit auswählst.

Hier würde ich allerdings wirklich zwischen Anfang und Ende des Monats unterscheiden. Anfang September sind die Tage noch deutlich länger, der Boden ist warm und die Pflanzen können zügig loslegen. Ende September sieht das schon ganz anders aus, weshalb eine sehr späte Aussaat im Freiland schnell zu einer Geduldsprobe werden kann.

Im Gewächshaus oder unter einem geschützten Tunnel hast du etwas mehr Spielraum, weil das Mikroklima dort günstiger ist. Im Freiland würde ich Radieschen aber eher früh im Monat aussäen, wenn ich noch eine realistische Herbsternte haben möchte.

Was ich an Radieschen im Herbst mag, ist, dass sie häufig weniger unter extremer Hitze und Trockenstress leiden als im Hochsommer. Man muss trotzdem auf gleichmäßige Feuchtigkeit achten, denn starke Schwankungen können dazu führen, dass die Knollen aufplatzen oder unangenehm scharf werden.

Rucola und Asia Salate können funktionieren, brauchen aber etwas Schutz

Rucola und verschiedene Asia Salate wachsen schnell und kommen mit kühleren Temperaturen grundsätzlich ganz gut zurecht. Wenn der September mild startet, kann sich eine Aussaat durchaus noch lohnen.

Ich würde mich bei diesen Kulturen aber nicht ausschließlich auf das Datum verlassen, sondern immer den eigenen Standort mit einbeziehen. Ein geschütztes Beet an einer sonnigen Hauswand ist etwas völlig anderes als eine offene Fläche, über die nachts schon kalter Wind zieht.

Wer ein Gewächshaus besitzt, kann dort im September noch erstaunlich viel machen, weil man Wind und starken Niederschlag besser kontrollieren kann und die Temperaturen vor allem nachts etwas milder bleiben.

Gerade bei dicht stehenden Blattgemüsen ist allerdings regelmäßiges Lüften wichtig, denn hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit wenig Luftbewegung schafft perfekte Bedingungen für Pilzkrankheiten. Ich möchte im Herbst Salat ernten und nicht noch eine kleine wissenschaftliche Pilzkultur betreiben.

Das Gewächshaus ist im September noch lange nicht fertig

Wenn Tomaten und Gurken langsam aus dem Gewächshaus verschwinden, entsteht dort plötzlich wieder Platz, und den würde ich nicht automatisch bis zum nächsten Frühjahr leer stehen lassen.

Feldsalat, Spinat, Winterportulak, Radieschen und verschiedene Salate können diese Fläche noch sehr gut nutzen. Mit einem zusätzlichen Vlies lässt sich die Saison teilweise noch weiter verlängern, weil die Pflanzen vor kalten Nächten etwas besser geschützt sind.

Man darf dabei nur nicht vergessen, dass ein Gewächshaus im Herbst völlig anders funktioniert als im Sommer. Tagsüber kann es bei Sonne immer noch erstaunlich warm werden, während die Temperaturen nachts deutlich absinken. Lüften bleibt deshalb genauso wichtig wie das richtige Gießen.

Ich gieße im Herbst lieber morgens als spät am Abend, damit die Pflanzen nicht die ganze Nacht nass stehen. Gerade wenn die Luftfeuchtigkeit ohnehin hoch ist, möchte ich nicht zusätzlich dafür sorgen, dass alles zwölf Stunden lang feucht bleibt.

Nicht jedes freie Beet braucht im September noch Dünger

Wenn ein Beet nach der Sommerkultur frei wird, besteht schnell der Reflex, vor der nächsten Aussaat erst einmal ordentlich zu düngen.

Das ist aber nicht automatisch sinnvoll.

Viele Böden enthalten nach dem Sommer noch ausreichend Nährstoffe, und gerade im Herbst möchte ich nicht unnötig große Stickstoffmengen ausbringen, die von den Pflanzen möglicherweise gar nicht mehr aufgenommen werden und anschließend ausgewaschen werden können.

Ich entferne zunächst Pflanzenreste und Unkraut, lockere die obere Bodenschicht vorsichtig und bereite ein feinkrümeliges Saatbett vor. Für Feldsalat, Spinat oder Winterportulak reicht das in vielen Fällen vollkommen aus, besonders wenn der Boden während der Saison vernünftig gepflegt wurde.

Ein Herbstbeet muss nicht aussehen, als wollte man dort gerade einen Kürbis für die Weltmeisterschaft züchten.

Wenn du nichts mehr ernten möchtest, ist Gründüngung oft die bessere Lösung

Nicht jedes freie Beet muss noch Gemüse tragen.

Wenn ich weiß, dass ich eine Fläche bis zum Frühjahr nicht mehr brauche, denke ich lieber über eine Gründüngung nach, als den Boden komplett nackt in den Winter zu schicken.

Gründüngung schützt die Bodenoberfläche vor starkem Regen und Verschlämmung, kann noch vorhandene Nährstoffe aufnehmen und sorgt je nach verwendeter Pflanzenart dafür, dass der Boden durchwurzelt bleibt. Später entsteht daraus organische Masse, die wiederum dem Boden zugutekommt.

Welche Gründüngung sinnvoll ist, hängt allerdings davon ab, was auf dem Beet vorher stand und was dort im nächsten Jahr wachsen soll.

Und genau da passiert ein Fehler, den viele gar nicht auf dem Schirm haben.

Senf ist nicht immer eine gute Idee

Gelbsenf wird als Gründüngung sehr gern empfohlen, weil er schnell wächst, unkompliziert ist und den Boden gut bedeckt.

Wenn du in deinem Garten allerdings regelmäßig Kohl, Radieschen oder Rettich anbaust, würde ich genauer hinschauen, denn Senf gehört ebenfalls zu den Kreuzblütlern.

Damit holst du dir eine Pflanze derselben Familie ins Beet und kannst dir die Fruchtfolge unnötig kompliziert machen, besonders wenn Probleme wie Kohlhernie eine Rolle spielen.

Ich würde in einem Garten mit viel Kohl deshalb lieber auf andere Gründüngungspflanzen ausweichen. Winterroggen ist beispielsweise interessant, weil er mit den meisten klassischen Gemüsekulturen nicht eng verwandt ist und deshalb in vielen Fruchtfolgen besser unterzubringen ist.

Das ist so ein Gartendetail, über das man am Anfang kaum nachdenkt und später feststellt, dass es einem erstaunlich viel Ärger ersparen kann.

Was ich im September nicht mehr neu aussäen würde

Nur weil Anfang September noch ein warmer Tag mit 25 Grad dazwischenkommt, bedeutet das leider nicht, dass plötzlich wieder Juni ist.

Tomaten, Gurken, Zucchini oder Bohnen würde ich jetzt nicht mehr neu aussäen, weil ihnen schlicht die Zeit fehlt, um noch eine vernünftige Ernte zu liefern.

Auch bei Möhren, Roter Bete und vielen typischen Herbstgemüsen ist die entscheidende Aussaatzeit für eine ordentliche Herbsternte längst vorbei.

Das ist ein häufiger Denkfehler, weil Herbstgemüse so klingt, als würde man es im Herbst aussäen. Tatsächlich wurden viele Kulturen, die wir im September, Oktober oder November ernten, bereits im Frühsommer oder Sommer ausgesät.

Wenn der Nachbar im September also riesige Kohlköpfe, Zuckerhut oder Fenchel im Beet stehen hat, bedeutet das nicht, dass du jetzt noch schnell dieselben Samen in die Erde werfen solltest.

Der Nachbar war einfach Monate früher dran.

Unangenehm, aber nicht mehr zu ändern.

Was über den Winter draußen bleiben kann

Feldsalat, geeignete Spinatsorten und Winterportulak gehören zu den Kulturen, die mit niedrigen Temperaturen vergleichsweise gut zurechtkommen.

Winterhart bedeutet allerdings nicht unzerstörbar. Starker Frost, eisiger Wind, Staunässe und immer wieder gefrierender Boden können Pflanzen trotzdem stressen, weshalb ein einfacher Schutz mit Vlies oder ein kleiner Folientunnel sinnvoll sein kann.

Das Ziel ist dabei nicht, im Januar Sommer zu spielen, sondern extreme Bedingungen etwas abzumildern.

Wenn die Blätter morgens gefroren sind, würde ich sie außerdem nicht sofort anfassen oder ernten, sondern warten, bis sie aufgetaut sind. Gefrorenes Pflanzengewebe ist empfindlich und kann durch Berührung leichter beschädigt werden.

Mein einfacher Septemberplan für freie Beete

Wenn bei mir im September ein Beet frei wird, entscheide ich inzwischen ziemlich schnell, welche Aufgabe diese Fläche bis zum Frühjahr bekommen soll.

Möchte ich noch etwas essen, säe ich je nach Zeitpunkt Feldsalat, Spinat, Winterportulak oder ganz früh im Monat noch Radieschen.

Habe ich Platz im Gewächshaus, nutze ich dort die etwas geschützteren Bedingungen für Blattgemüse und Salate.

Brauche ich das Beet nicht mehr für eine Ernte, bekommt es eine passende Gründüngung oder zumindest eine schützende Bodenbedeckung.

Was ich nicht mehr mache, ist ein abgeerntetes Beet einfach monatelang völlig nackt liegen zu lassen und mich erst im März wieder daran zu erinnern.

Denn auch nach der letzten Ernte passiert im Boden weiter jede Menge.

Der September ist eigentlich der Übergang zwischen zwei Gartensaisons

Ich mag den September inzwischen sehr, weil man in diesem Monat gleichzeitig erntet und schon wieder vorausplant.

Während ich auf der einen Seite Tomaten, Kartoffeln oder Zucchini aus dem Garten hole, säe ich auf der anderen Seite schon die Pflanzen, die mich durch Herbst und Winter begleiten sollen oder im Frühjahr besonders früh starten.

Das hat etwas sehr Befriedigendes, weil der Garten dadurch nicht plötzlich von hundert auf null herunterfährt.

Wenn du also im September vor einem leeren Beet stehst und überlegst, ob sich jetzt überhaupt noch etwas lohnt, würde ich nicht sofort bis März Feierabend machen.

Säe eine Reihe Feldsalat, etwas Spinat oder Winterportulak, und wenn du gar nichts mehr ernten möchtest, gib dem Boden wenigstens eine sinnvolle Gründüngung.

Vielleicht gehst du dann mitten im Winter mit einer Schüssel nach draußen und erntest frisches Grün von einer Fläche, von der du Anfang September eigentlich schon dachtest, dass dort für dieses Jahr nichts mehr passiert.

Und genau solche kleinen Ernten sind für mich oft die schönsten.